
Unsere Arbeit wurde ausgelobt mit einen 3. Diesing-Preis gestiftet von der Karl-Friedrich-Schinkel-Stiftung
AIV-Schinkel-Wettbewerb 2023 Stadt statt A 104
3. Diesing-Preis fü das Arbeit Ich glaub´, ich steh´ im Wald
mit Malgorzata Burkot Marta Galdys und Weronika Frycz
AIV-Schinkel-Wettbewerb
Der AIV-Schinkel-Wettbewerb hat eine lange Tradition und wurde erstmalig 1852 unter den Vereinsmitgliedern ausgeschrieben. Seitdem werden in diesem Förderwettbewerb Jahr für Jahr jungen Architekten, Ingenieuren und Künstlern in nunmehr neun Fachsparten (Städtebau, Architektur, Landschaftsarchitektur, Kunst und Bauen, Konstruktiver Ingenieurbau, Ver- und Entsorungstechnik, Straßenbau und Verkehrswesen, Eisenbahnbau, Wasserbau) Aufgaben gestellt mit dem Ziel, deren Kreativität und Phantasie für die Lösung zukunftsorientierter Planungsaufgaben herauszufordern. Ausgelobt wird in jeder Fachsparte ein Schinkelpreis für hervorragende technisch-wissenschaftliche Leistungen im Bauwesen, die entweder das gelungene Zusammenwirken verschiedener technisch-wissenschaftlicher Disziplinen dokumentieren oder sich als Einzelleistungen durch das vorbildliche Abwägen von fachspezifischen und übergeordneten Belangen besonders auszeichnen. Der Preis dient der Förderung des technisch-wissenschaftlichen Nachwuchses, daher dürfen die Teilnehmer am Wettbewerb nicht älter als 35 Jahre sein. Der AIV-Schinkel-Wettbewerb wirkt aber auch für Berlin und seine Region auf der Suche nach ihrer künftigen Gestalt. Die Vielfalt der Ideen fördert die Planungskultur und bereichert sie. Am 13. März, dem Geburtstag Schinkels, werden die Preise im Rahmen des Schinkelfestes verliehen.

für Besondere Architektur
Leitidee Architektur
Zwischen der Kreuzung Schlangebader Straße und Tunnelhals bleiben die Rampen der ehemaligen A104 erhalten und werden zum einen von Straßenbahn, Radfahrern und Fußgängern benutzt und zum anderen in einen urbanen Garten umgewandelt. Unter den restlichen Rampen und Brücken sind u. a. ein überdachter Skateplatz, ein Outdoor Kletterbereich, ein Freiluftkino sowie eine Tauschbörse geplant. Während der östliche Autobahntunnel für Straßenbahn- und Fahrradverkehr erschlossen wird, erfolgt ein Umbau des westlichen Teils zu einem Sportzentrum.

Der vorgestellte städtebauliche Entwurf fokussiert sich auf die Wiedergewinnung von vormals durch Autoverkehr belegten Flächen und deren radikaler Verwandlung in einen durch wilde Pflanzen geprägten Lebensraum, der dadurch sowohl für Menschen als auch für Stadttiere attraktiv wird. Ein Kern der Idee ist der Rückbau von Autobahnrampen und deren Wiederverwendung in Form von Stadtmobiliar und Recyclingmaterial für neue Wohn- und Straßenbauten sowie deren Unterbau. Rad- sowie öffentlicher Verkehr stehen im Vordergrund der Straßenplanung. Die Leitidee spiegelt sich auch im architektonischen Konzept wider. Die geplante Straßenbahnlinie wird durch den östlichen Autobahntunnel geführt. Die unterliegenden Parkmöglichkeiten bleiben erhalten und werden zum Teil öffentlich benutzt. Dort werden auch neue Fahrradstellplätze und Mobility Hubs errichtet. Nach Abbruch der Autobahnbrücken wird ein Radschnellweg über die neue Straßenbahn geführt und an die restliche Brücke angeschlossen. Sie wird dann neben der Straßenbahn durch den Tunnel geführt. Im Verbindungsstück über der Wiesbadener Straße werden u.a. mehrere Fahrradstellplätze und Tram-Haltestellen errichtet.

Der westliche Tunnelbereich wird zu einem Sportzentrum umgebaut. In diesem Bereich wird der Tunnel zusammen mit darunter liegenden Parkflächen zum Teil abgebrochen, um die komplette Raumhöhe der neuen Nutzung zur Verfügung zu stellen. In die nördlichen und südlichen Tunnelhälsen werden Glashäuser für Urban Gardening errichtet. In dunklen Bereichen werden unter anderem Indoor Surfing, Bouldering, Trampolin-Park, Indoor Ski/Snowboard mit trockenem Schnee, Skatehalle und Indoor Mountainbike Dirt Park untergebracht. An den bestehenden Treppenhäusern sind Umkleiden und Toiletten sowie vertikale Erschließungen geplant. Über die bestehenden Treppenhäuser sind auch die Rettungswege des Zentrums organisiert. Diese Bereiche werden über ein begehbares Oberlicht beleuchtet, das auf einem außenliegenden Podest des Treppenhauses positioniert wird. Ähnlich werden auch Radschnellweg und Straßenbahn beleuchtet. Der westliche Teil des Tunnels wird über die gesamte Länge des Gebäudes in Form einer Brücke erhalten, um eine durchgehende Nutzung für Fußgängern zu schaffen.

Für Fußgänger wird ein Zugang über außenliegende Rampen möglich. Für Auto- und Radfahrer, die ihre Fahrzeuge in der Tiefgarage parken, wird eine vertikale Erschließung über Fahrstühle organisiert. Sie werden unter Rampen, hinter bestehenden Trennwänden platziert, sodass sie nur aus Tiefgaragen sichtbar sind. Zusätzliche außenliegende Treppen sind im Verbindungsstück über die Wiesbadener Straße geplant. Sie werden tief hinter bestehenden Betonwänden platziert und mit Kletterpflanzen bewachsen. Neue Elemente sollen organisch und unauffällig in bestehende Grünflächen integriert werden.

Das ganze Konzept folgt dem Motto von Almut Grüntuch-Ernst: “Gebäude nicht nur als Energieverbraucher, sondern als Energiemaschinen begreifen!” So bietet sich etwa an, die über das Nachbargebäude auskragende Fassade von “der Schlange” in eine große Solaranlage umzuwandeln. Die weißen Module (z.B. von Fa. Solaxess) werden nach Maß hergestellt und anstatt der bestehenden Blechfassade unauffällig integriert. Die Höhe sowie die Himmels-Anordnung der Gebäude sorgen dafür, dass keine Verschattung an den Paneelen auftritt und somit den gesamten Tag Solarenergie produziert werden kann. Eine Trennwand zwischen Fahrradweg und Straßenbahn wird als flächiges Windrad konzipiert. Sämtliche Gehwege erhalten einen Strom produzierenden Belag (z.B. von Pavegen). Die Dächer aus den Tunnelhälsen sowie das Verbindungsstück über der Wiesbadener Straße werden abgebrochen und mit halbtransparenten PV-Paneelen gedeckt. Die Paneele werden Licht in die Bereiche bringen, jedoch mit ihren aufgebrachten PV-Elementen einerseits für ausreichende Teilabschattung in den Sommermonaten und andererseits nachts für geringere Lichtverschmutzung sorgen. So gewonnener Strom wird das neue Sportzentrum sowie die bestehende Erschließung der Wohnanlage (Beleuchtung von Treppenräumen, Fluren und Aufzügen) versorgen. Die Übermenge von Solarenergie wird in Sandsilos unter den ehemaligen Autobahnrampen gespeichert und im Winter für die Flächenheizung des Sportzentrums benutzt. Die Innenwände der Wohnungen werden mit einer Innendämmung aus Lehm mit integrierter Flächenheizung versehen. Die Heizung wird über Abwasser-Wärmepumpen versorgt.

Foto: Justyna Burzynski
Ausstellungseröffnung
Montag, 13. März, 10 Uhr
UdK Berlin, Hardenbergstraße 33, 10623 Berlin
Die Arbeiten sind vom 13. bis 26 März täglich von 9 bis 20 Uhr zu besichtigen (Aula R201)

Foto: Justyna Burzynski
Schinkel-Fest
Montag, 13. März, 19 Uhr
UdK Berlin, Joseph-Joachim-Konzertsaal, Bundesallee 1–12, 10719 Berlin